Django Unchained (2012)



Es heißt, eine Geschichte zu erzählen ist genau das gleiche, wie einen Witz zu erzählen. Quentin Tarantino ist natürlich herausragend in beidem. Tatsächlich mag er der beste Geschichtenerzähler sein, der heute in Hollywood arbeitet. Er hat ein Gefühl dafür, welche Informationen er dem Publikum vorenthält und wann er sie als Pointe offenbart. Er beweist dieses Talent auch in Django Unchained. Als einer der wenigen ist er bereit eine Szene langsam aufzubauen und sich entfalten zu lassen, anstatt mit höchster Geschwindigkeit durch den Film zu hasten, wie es heutzutage gängig ist. Ich denke hier z.B. an eine Szene zu Beginn des Films, indem Dr. Schultz (Christoph Waltz) den frisch befreiten Sklaven Django (Jamie Fox) in eine kleine Stadt bringt und die gesamte Einwohnerschaft auf Trab hält. Nachdem Tarantino sich zuvor bereits mit der Nazi-Zeit beschäftigt hat und die Geschichte auf seine eigene Art umgeschrieben hat, widmet er sich in Django der unrühmlichen Sklavereigeschichte in den Vereinigten Staaten. Er verpackt die Thematik in einen Spaghetti-Western im Tarantino-Stil. Damit bringt er das klassisch amerikanischste aller Genres, dass zwischendurch von den Europäern übernommen und revolutioniert wurde, wieder überarbeitet zurück in die Heimat. Er haucht außerdem einem beinahe toten Genre wieder leben ein, wie es Clint Eastwood mit Erbarmungslos (1992) in den 90ern geschafft hat. Django ist ein Mann auf einer Mission. Er will seine Frau finden und befreien. Dieser Missionsaspekt, das Umschreiben der Menschheitsgeschichte, der mit Gewalt verbundene Humor und Christoph Waltz sind die Gründe, aus denen Django Unchained ein wenig wie Inglourious Basterds während des Amerikanischen Bürgerkriegs daherkommt. Begleitet von Dr. Schultz trifft Django u.a. auf Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), einen Plantagenbesitzer, der Freude daran hat Sklavenkämpfe zu veranstalten. Ein hervorragender DiCaprio spielt das wohl böseste Arschloch seiner Karriere. Samuel L. Jackson ist fantastisch als der alte Haussklave DiCaprios, der mieseste schwarze Mann seiner Zeit. Christoph Waltz und seine ganze Gebärde sind urkomisch. Als ganzes ist Tarantinos Film hochgradig stilisiert, witzig und erreicht ein für ihn neues Höchstmaß an zelebrierter Gewalt. Der Regisseur hat ein unterhaltsames und hevorstechenden Weg gefunden ein amerikanisches Tabu anzusprechen und zu behandeln.


Regie : Quentin Tarantino
Besetzung: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L. Jackson
Genre: Drama, Western
Freigabe: 16
Laufzeit: 165 min.
Veröffentlicht: 2012/12/25
Drehbuch: Quentin Tarantino
Schnitt: Fred Raskin
Cinematographie: Robert Richardson
Budget: $100 Mio.